Steildachsanierung von außen

Wärmedämmung = Luftdichtung?

Bei der energetischen Dachsanierung wird die Wärmedämmung des Gebäudes deutlich optimiert. Aber lässt sich damit auch die Luftdichtung für den Raum verbessern?

Eine Luftdichtung des Dachgeschossraums ist wichtig, da Raumwärme durch Ritzen und Fugen abfließt. Wichtiger Nebeneffekt: Der sommerliche Hitzeschutz und der Schallschutz werden durch die Luftdichtung entscheidend verbessert.

Lösung Leckageortung

Ist das zu sanierende Dach überhaupt die Schwachstelle bei der Luftdichtung, oder sind es andere Bereiche? Um dies festzustellen, ist eine Vorab-Leckageortung eine kostengünstige und zuverlässige Methode. Dabei zeigt sich oft, dass die vorhandenen Dachinnenseiten aus Putzschichten oder Gipskartonplatten nicht das Kernproblem sind. Vielmehr sind es Anschlüsse oder andere Bauteile im Dachgeschoss. Eine Leckageortung gibt genauen Aufschluss, wo man ansetzen muss, um eine Luftdichtung zu erreichen.

Leckageortung mit Nebelmaschine
Mit dem Nebelgenerator können Leckagen sichtbar gemacht werden. Dazu wird ein ungiftiger Nebel (Theater- oder Disconebel) verwendet. Ein Raum oder das Haus wird mit Nebel gefüllt und im Haus wird ein Überdruck erzeugt. Der Effekt ist deshalb so beeindruckend, weil man die Luft regelrecht aus dem ganzen Gebäude quellen sieht.Adobe Stock

Eine Leckage ist eine undichte Stelle in der Gebäudehülle, durch die ungewollt Luft entströmt. Mit Hilfe verschiedenster Methoden bzw. Messtechniken lassen sich diese undichten Stellen lokalisieren. Dieser Vorgang wird als Leckageortung bezeichnet, die im Zuge eines Blower-Door-Testes durchgeführt wird. Hierbei stehen drei Messverfahren zur Auswahl:

  • Nebelgenerator
  • Thermografiekamera (Wärmebildkamera)
  • Anemometer (Luftgeschwindigkeitsmessgerät)

Größere Luftleckagen lassen sich problemlos auch mit der Hand erfühlen. Die Wärmebildkamera (Thermografie) ist für die kleinsten Leckagen geeignet. Nachdem alle Fehlstellen in der Gebäudehülle lokalisiert und dokumentiert worden sind, können die betroffenen Stellen fachgerecht ausgebessert werden.

Blower-Door-Test
Mit einem Blower-Door-Test (Druckdifferenz-Messung) wird die Luftdurchlässigkeit der Gebäudehülle ermittelt. Luftundichtigkeiten lassen sich so aufspüren.Adobe Stock

So funktioniert ein Blower-Door-Test

Messtechniker setzen das Blower-Door-Messgerät in eine beliebige Außentür ein. Daraufhin werden alle anderen Türen und Fenster im gesamten Gebäude geschlossen. Ein elektrisch betriebenes Gebläse erzeugt einen Unterdruck (im zweiten Verfahren einen Überdruck) mit einer Druckdifferenz von 50 Pascal zwischen innen und außen. Durch unvermeidliche Fugen entweicht die Luft im Laufe der Zeit.

Die mittlere Luftwechselrate (n50-Wert), die aus den Ergebnissen des Unter- und Überdrucks berechnet wird, gibt an, wie oft pro Stunde die gesamte Luft im Gebäude durch Leckagen entweicht beziehungsweise ausgetauscht wird. Die Luftwechselrate n gibt also das Vielfache des Raumvolumens an, das in einer Stunde bei einem Referenzdruck von 50 Pa ausgetauscht wird.

Je kleiner diese Zahl ist, desto besser die Luftdichtheit im Haus beziehungsweise im Innenraum des Gebäudes. Ein n50-Wert = 2 bedeutet zum Beispiel, dass die Luft in dem Gebäude in einer Stunde zweimal durch undichte Stellen ausgetauscht wird. Der gesamte Ablauf der Messung ist genormt.

4 Schwachstellen in der Luftdichtunghobacon GmbH & Co. KGhobacon GmbH & Co. KGhobacon GmbH & Co. KG

Vier typische Schwachstellen in der Luftdichtung

  1. Anschluss Wände zum Dach: Hier könnte ein Spalt vorhanden sein. Abhilfe durch eine malermäßige Renovierung durch eine eingelegte Eckarmierung
  2. Fensterbänke in Giebeln oder Gauben: Ausbau bei der nächsten Renovierung und erneuter fachgerechter Einbau.
  3. Holzbalkenlage von außen dämmen und Luftdichtung im Wandbereich verbessern.
  4. Einbindende Innenräume: Die Hochlochziegel kopfseitig verputzen.

Herstellung einer nachträglichen Luftdichtung

Bei der Luftdichtung geht es darum, einen Raum hermetisch von der Außenluft zu trennen. Dies ist baupraktisch nur auf der Raumseite zuverlässig möglich. Der Einbau einer Luftdichtungsbahn von außen sollte daher die Ausnahme darstellen. Insbesondere komplexe geometrische Dachformen, Gauben sowie an Traufseiten herausragende Holzkonstruktionen erschweren die Herstellung einer Luftdichtungsebene von außen.

Grafik "ebene" Bahn von außenhobacon GmbH & Co. KGhobacon GmbH & Co. KGhobacon GmbH & Co. KGhobacon GmbH & Co. KGhobacon GmbH & Co. KG

Methode 1 – „ebene“ Bahn von außen

  • „Geschlossene“ Innenbekleidung als Voraussetzung
  • Diffusionsoffene Luftdichtungsbahn (Nachweis erforderlich), sd (kleiner gleich) 0,05 m
  • Luftdichtungsbahn an den Nähten und zu den seitlichen Anschlüssen verklebt
  • Mindestdicke der oberen Holzfaserdämmplatte 60 mm, wenn die Dämmdicke unterhalb max. 160 mm beträgt
  • Ein Feuchteschutznachweis kann erforderlich sein
Grafik sub&top Bahn von außenhobacon GmbH & Co. KGhobacon GmbH & Co. KGhobacon GmbH & Co. KG

Methode 2 – „sub&top“ Bahn von außen

  • „Geschlossene“ Innenbekleidung empfehlenswert
  • „Sub&top“ Bahn als feuchteadaptive Dampfbremse (die Eignung muss nach DIN 4108-3 nachgewiesen werden)
  • „Eckige“ Verlegung durch seitliche Leisten zum Sparren
  • Verklebung an den Nähten und zu den seitlichen Anschlüssen
  • Mindestdicke der oberen Holzfaserdämmplatte 60 mm empfohlen
Grafik Bahn von innenhobacon GmbH & Co. KGhobacon GmbH & Co. KGhobacon GmbH & Co. KG

Methode 3 – Bahn von innen

  • Keine Anforderungen an die Innenbekleidung
  • Einfache Dampfbremse (sd-Wert ab 2,0m)
  • Anschluss zu den seitlichen Wänden
  • Beliebiger Dachaufbau möglich (diffusionsoffen)

Die Position der Luftschichten ist entscheidend

Eine Luftschicht innerhalb des Dachaufbaus ist durchaus sinnvoll, entscheidend ist nur, an welcher Stelle. Die Hinterlüftung der Dachdeckung ist zum Beispiel erforderlich, in der untenstehenden Grafik mit LS 1 bezeichnet. Diese Luftschicht dient dem Abtransport von Feuchtigkeit aus der Konstruktion. Die Bemessung der Mindestlüftungsquerschnitte erfolgt nach den ZVDH-Fachregeln des Dachdeckerhandwerks.

Die Luftschicht LS2 dagegen ist kritisch: Unterhalb einer Wärmedämmung darf bei einem Steildach keine Luftschicht verbleiben. Die gewünschte Dämmwirkung der Aufdachdämmung wäre nicht mehr gegeben. Die Erwärmung der LS2 von der Raumseite verursacht einen thermischen Auftrieb. Folglich wird Kaltluft aus dem Bereich der Dachtraufe nachgeführt (Kaltluftströmung). Raumwärme wird unnötig abgelüftet. Die Sparrenzwischenräume sind demnach vollständig auszudämmen.

Grafik Position der Luftschichtenhobacon GmbH & Co. KG
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